Verfahren zur Versickerung von Regenwasser

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Verfahren zur Versickerung von Regenwasser

Vorwort

Niederschlagswasser bekommt heute in den meisten bebauten und flächenhaft versiegelten Gebieten nicht mehr die Möglichkeit auf natürlichen Wegen in den Wasserkreislauf zu gelangen. So können sich langfristig Veränderungen des Boden- und Wasserhaushaltes ergeben, die natürliche und vor allem lokale Grundwasserneubildung ist empfindlich gestört und die chemischen und biologischen Verhältnisse ober- und unterhalb der Geländeoberfläche können negativ beeinflusst werden.

Gleichzeitig erfordert die schadlose Ableitung des Oberflächenabflusses einen erheblichen technischen und finanziellen Aufwand bei der Planung, dem Bau und dem Betrieb unseres Kanalnetzes und unserer Kläranlagen.

Vor diesem Hintergrund sollten Sie dem anfallenden Niederschlagswasser die Möglichkeit geben, vor Ort zu versickern!

 

 

Realisierung

Je nach hydrogeologischen Gegebenheiten stehen Ihnen die folgenden prinzipiellen Lösungen zur Verfügung:


 

Flächenversickerung

Die Flächenversickerung kommt der natürlichen Versickerung am nächsten. Das Regenwasser wird gefasst und auf Rasenflächen, unbefestigte Rand- oder Pflanzstreifen geleitet, um dort zu versickern. Dabei ist zu beachten, dass die Flächenversickerung nur bei günstigen Untergrundverhältnissen zum Einsatz kommt. Mit abnehmender Durchlässigkeit steigt der Flächenbedarf stark an. Darüber hinaus darf die für die Versickerung vorgesehene Fläche kein zu großes Gefälle aufweisen.

Voraussetzung:

Durchlässiger Untergrund, da keine Zwischenspeicherung erfolgt.

Vorteile:

  • einfache Herstellung - in Eigenarbeit möglich
  • geringer Wartungsaufwand
  • geringe Kosten
  • keine punktuelle Bodenbelastung
  • bei Versickerung über bewachsenen Mutterboden gute Reinigungsleistung
  • hohe Lebensdauer

Nachteil:

  • großer Flächenaufwand
  • keine Zwischenspeicherung
  • hohe Boden-Durchlässigkeit notwendig

 


Muldenversickerung

MuldenversickerungDas Regenwasser wird - möglichst oberirdisch mit offenen Zuleitungsgerinnen - auf eine flache, begrünte Versickerungsmulden geleitet und dort kurzfristig zwischengespeichert, bis es versickert. Die Mulden sollten so bemessen sein, dass sie nur kurzfristig unter Einstau stehen. Ein Dauerstau ist in jedem Falle zu vermeiden, da so die Gefahr der Verschlickung und Verdichtung der Oberfläche beträchtlich erhöht wird. Es hat sich bewährt, die Einstauhöhe auf 30 cm zu begrenzen.

Voraussetzung:

Der Untergrund muss verhältnismäßig durchlässig sein.

Vorteile:

  • weniger Flächenbedarf als bei der Flächenversickerung
  • einfache Herstellung - gut in Eigenarbeit zu erstellen
  • geringer Kosten- und Wartungsaufwand
  • gute Reinigungsleistung

Nachteil:

  • der Flächenbedarf - die Fläche ist nach Starkregen/langanhaltenden Regenfällen nur eingeschrängt nutzbar.

 


Rohrversickerung/Rigolen

RigoleIn einer Zisterne gesammeltes Niederschlagswasser wird durch unterirdisch verlegte, perforierte Rohre zur Versickerung gebracht. Die Rohre sind für eine Zwischenspeicherung mit Schotter umgeben. Die Schotterpackung wird mit einem Vlies abgedeckt, um Erde fern zu halten. Da die Versickerung nicht über die belebten Bodenschichten erfolgt, ist die Reinigungsleistung dieses Verfahrens als gering einzustufen.

Voraussetzung:

Rohre müssen in relativ durchlässigem Grund verlegt werden. Eine Zisterne muss vorhanden sein.

Vorteile:

  • kaum Flächenbedarf - optimal für kleinere Grundstücke
  • Umgehung von wasserundurchlässigen Schichten möglich

Nachteile:

  • aufwendige Herstellung
  • keine Reinigungsleistung
  • keine Wartungsmöglichkeit

Schachtversickerung

SickerschachtRegenwasser wird unterirdisch über Rohrleitungen in einen Schacht aus Betonringen geleitet und dort zwischengespeichert bis es versickert. Ein Mindestdurchmesser von DN 1000 darf nicht unterschritten werden. Der Schachtboden ist mit einer Filterschicht verfüllt. So werden abfiltriebare und absetzbare Stoffe auf der Oberfläche der Filterschicht zurückgehalten. Die Schachtversickerung stellt allerdings ein punktuelles Versickerungsverfahren dar und bietet somit den geringsten Grundwasserschutz.

Voraussetzung:

Schacht muss in relativ durchlässigen Grund eingelassen werden. Der Abstand zwischen Oberkante der Filterschicht und dem mittleren höchsten Grundwasserstand darf in der Regel 1,5 m nicht unterschreiten.

Vorteile:

  • geringer Flächenbedarf
  • geringe Wartung

Nachteile:

  • aufwendige Herstellung
  • hohe Kosten

Betrieb von Versickerungsanlagen

Sie sollten Ihre Versickerungsanlagen regelmäßig kontrollieren. Verschlämmung und Selbstdichtung sind Probleme, die durch Vorbeugen zu verhindern sind. Entfernen Sie deshalb regelmäßig den Laubeintrag aus dem Versickerungsbereich oder pflegen Sie entsprechende Grünbereiche.
Bei Bedarf ist die obere Infiltrationsschicht "abzuschälen" und ordnungsgemäß zu entsorgen. So vermeiden Sie die unkontrollierte Freisetzung von nicht abbaubaren Stoffen.
Sind im Einzugsgebiet Ihrer Versickerungsanlage wassergefährdene Flüssigkeiten ausgetreten - z.B. ein Ölunfall - ist unverzüglich die zuständige Wasserbehörde (Region Hannover) einzuschalten.


 

Außerdem sollten Sie die folgenden Punkte unbedingt beachten:

  • Bei allen Versickerungsanlagen ist darauf zu achten, dass Ihr Grundstück frei von Belastungen/Altablagerungen ist.
  • Im Bereich von Versickerungsanlagen dürfen keine Recyclingmaterialien, Schlacken oder Aschen eingebaut werden.
  • Bei befestigten Flächen (Fahrflächen, Parkplätzen), die an eine Versickerung angeschlossen sind, dürfen im Winter keine Streusalze verwendet werden. Ebenso ist der Einsatz von Pflanzenschutz- oder Schädlingsbekämpfungsmitteln verboten. Das Waschen von Fahrzeugen in diesen Bereichen ist ebenfalls verboten.
  • Bei allen Anlagenarten ist ein Mindestabstand von 2 Metern von der Grundstücksgrenze einzuhalten, um Feuchtigkeitsschäden bei Ihren Nachbarn zu vermeiden.
  • Der Abstand der Versickerungsanlagen von unterkellerten Gebäuden sollte mindestens 5 Meter betragen. Bei wasserdicht ausgebildeten Kellern oder bei entsprechenden Schutzmaßnahmen an den baulichen Anlagen kann der Abstand in eigener Verantwortung verringert werden.
  • Die Verantwortung für die korrekte Bemessung und den ordnungsgemäßen Betrieb einer Versickerungsanlage trägt grundsätzlich der Betreiber.
  • Größere Vorhaben (ab circa 300 Quadratmetern angeschlossener befestigter Fläche) sollten in Ihrem eigenen Interesse auf der Basis eines geohydrologischen Gutachtens berechnet und dimensioniert werden.