Erfolgreiches Tauschprojekt zwischen Pestalozzi-Stiftung und Rathaus Burgwedel

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Erfolgreiches Tauschprojekt zwischen Pestalozzi-Stiftung und Rathaus Burgwedel

Ein Projekt, das hilft, den eigenen Horizont zu erweitern und Vorurteile abzubauen

Rathaus in Großburgwedel © Stadt Burgwedel

Auch wenn das zu Beginn des Jahres noch deutschlandweit geplante Projekt „S(ch)ichtwechsel“ coronabedingt entfiel, ermöglichte es das Organisationsteam von Seiten der Pestalozzi-Stiftung und des Rathauses Burgwedel, das „Tauschprojekt“ zwischen ihren Einrichtungen doch noch stattfinden zu lassen. Dieser Bericht soll einen kleinen Einblick geben.

 

 

Am Donnerstag, den 17. September, startete das Projekt um 9 Uhr im Amtshof, Bürgermeister Axel Düker begrüßte sechs Beschäftigte aus den Werkstätten für Menschen mit Behinderung (WfbM), sowie Frau Sewing (Geschäftsbereichsleitung Behindertenhilfe), Herrn Paasch (Werkstattleitung) und Frau Schäfer (Leitung Begleitender Fachdienst) von der Pestalozzi-Stiftung sowie zwölf Kolleg*innen aus unterschiedlichen Abteilungen der Stadtverwaltung. Anschließend ging es für drei Stunden in den entsprechenden Teams, welches aus je zwei Personen im Tandem bestand, zur Projektphase in die jeweiligen Einrichtungen, bis man sich zu einem gemeinsamen Ausklang am Mittag in der Pestalozzi-Stiftung wiedertraf.

Hier tauschte man sich über die Erlebnisse und Erfahrungen aus und eine Beschäftigte der Wäscherei der Pestalozzi-Stiftung zog nach dem Kennenlernen der Zentrale des Rathauses das Fazit: „Zu viel Papierkram, aber sonst hat es viel Spaß gemacht. Das möchte ich nicht jeden Tag machen, da mache ich lieber meine Arbeit.“ Ein anderer Teilnehmer, der für gewöhnlich im Garten-Landschafts-Bau der Stiftung arbeitet, lernte, was auf den Spielplätzen alles kontrolliert werden muss und dass zur Aufstellung neuer Geräte der Platz vermessen wird. Dass diese Daten später digital in ein Programm einzupflegen sind, fand er sehr beeindruckend. Und auch ein weiterer Teilnehmender der Pestalozzi-Stiftung erkannte für sich, dass der IT Bereich des Rathauses sehr interessant ist und dass er das Schreiben am Computer auch „ab und zu gebrauchen“ könnte. Eine Teilnehmende fühlte sich nun sehr gut über die Aufgaben des Bürgermeisters informiert. Dem Teilnehmer, der die Kläranlage besuchte, gefiel besonders gut das Wasserproben nehmen. Er und auch seine fünf Mitarbeiter*innen würden gerne wieder an dem Projekt teilnehmen.

Mit ähnlich guter Stimmung kommen auch die zwölf Kolleg*innen des Rathauses aus den drei Projektstunden. Während die Hälfte von ihnen in unterschiedlichen Bereichen der Pestalozzi-Stiftung hospitierte, gaben die anderen Einblicke in einen Teil der täglichen Aufgaben. Das Interesse von Seiten der Beschäftigten der Pestalozzi-Stiftung war sehr groß, so die Kolleg*innen einstimmig.

Bei ihren Tauschpartner*innen zeigte sich auch die Vielfältigkeit der Arbeiten der Pestalozzistiftung. Da ist neben den Landschaftsarbeiten im Freien, zu denen auch das Fällen von wetterbedingt geschädigten Bäumen gehört, die enge Verbindung zur ortsansässigen Wirtschaft. Für diese werden viele Aufträge mit einer Präzision verrichtet, die Hochachtung gegenüber den Beschäftigten der Pestalozzi verdient: Versandkartons falten und polstern, Einzelwaren so arrangieren, dass die Einzelhändler sie nur noch ins Regal stellen müssen, Kostprobentütchen nach einem vorgegebenen Schema füllen, falten und verschließen. Diese und weitere Aufgaben benötigen eine Logistik, die hoch komplex ist und dabei werden in allen Bereichen die aktuell einzuhaltenden Corona-Schutzmaßnahmen, was ein Tragen von Mund-Nasen-Schutz während des gesamten Arbeitstages voraussetzt, berücksichtigt, wovor die Rathaus-Kolleg*innen ihren Hut ziehen.

Obwohl dieses Jahr von vielen Besonderheiten und Abstandsregeln geprägt ist, wurde an diesem Tag ein gelungenes Beispiel für Begegnung trotz Corona gegeben. Menschen mit und ohne Behinderung gaben sich gegenseitig Einblicke in ihre tägliche Arbeit und lernten dabei voneinander. Bei diesem verantwortungsvollen Miteinander wurde das wichtige Thema der inklusiven beruflichen Bildung, die uns alle betrifft, in den Fokus genommen. „Die Teilhabe am Arbeitsleben für Menschen mit Behinderung muss bekannter gemacht werden, Corona hat diesen Prozess in der Gesellschaft leider ausgebremst“, so Frau Sewing. Die Umsetzung des Projektes war ein voller Erfolg und trotz des außergewöhnlichen Jahresverlaufs sehr wichtig, was sowohl von Herrn Bürgermeister Düker als auch von Frau Sewing betont wurde. Allen Teilnehmer*innen hat es sehr gut gefallen und jeder konnte eine positive Erfahrung mitnehmen, indem sie in den Arbeitsbereich der Tauschperson Einblick bekamen.

Im kommenden Jahr soll das Projekt erneut und in dem geplant größeren Maßstab wiederholt werden. Dann werden niedersachsenweit unter dem Titel „S(ch)ichtwechsel“ Kooperationen zwischen Einrichtungen für Menschen mit Behinderung und Betrieben, Institutionen und Dienstleistern des ersten Arbeitsmarktes angestrebt. Auch das Rathaus möchte wieder mit dabei sein, weil es rundum gelungene, gemeinsame Stunden waren und hofft, dass sich noch viele weitere Firmen und Institutionen dem Projekt anschließen.

Meldung vom 24.09.2020